STHETIK DER DICHTE>. Das Stadtbild Hongkongs> fasziniert. Die Dichte> der Hochhausnadeln, deren sich unendlich wiederholenden Details und ihre endlos scheinende vertikale Ausdehnung geben dem Betrachter einen physisch wahrnehmbaren Eindruck von Grsse. Es ist eine herbe, gewachsene, urtmliche Schnheit, die aus Notwendigkeit entstanden ist und doch eine eigene sthetik entwickelt hat. 

Siegfried Krakauer schrieb in Aus dem Fenster gesehen: Man kann zwischen zwei Arten von Stadtbildern unterscheiden: die einen, die bewusst geformt sind, und die anderen, die sich absichtslos ergeben. Jene (bewusst geformten) entspringen dem knstlerischen Willen>, der sich in Pltzen, Durchblicken, Gebudegruppen und perspektivischen Effekten verwirklicht, die der Baedecker gemeinhin mit einem Sternchen beleuchtet. Diese (die absichtslosen) dagegen entstehen, ohne vorher geplant zu worden zu sein. Sie sind keine Kompositionen ..., sondern Geschpfe des Zufalls, die sich nicht zur Rechenschaft ziehen lassen. Wo immer sich Steinmassen und Strassenzge zusammenfinden, deren Elemente aus ganz verschieden gerichteten Interessen hervorgehen, kommt ein solches Stadtbild zustande, das selber niemals der Gegenstand irgendeines Interesses gewesen ist. Es ist so wenig gestaltet wie die Natur und gleicht einer Landschaft darin, dass es sich bewusstlos behauptet. Krakauer kannte Hongkong> nicht  er hatte das Berlin der 20erJahre vor Augen. Und doch beschreibt er genau die urtmliche Charakteristik, die die Dichte> der Hochhausstdte erzeugt. Es ist diese herbe, durch das rcksichtslose Verfolgen unterschiedlichster Interessen entstandene, unbewusste Schnheit, die diese Stdte so faszinierend machen und die so gut mit dem Zukunftswillen> der Chinesen bereinstimmt. Diese Stdte sind das versteinerte Abbild der Bedrfnisse ihrer Bewohner. In ihrer radikalen Knstlichkeit erreichen sie die Selbstverstndlichkeit und Unerbittlichkeit einer Naturform. 

